...

neid kann man nicht sehen. er kriecht wie fliessfett ins gewinde, legt sich unsichtbar zwischen die worte und stellt sich doch mal einer hin und behauptet, sowas wie neid entdeckt zu haben kann man immer ganz toll höhnen: erstens gebe es reingarnichts zu beneiden - und sowieso: beweisen kann das auch keiner.

aber das stimmt eben nicht. erkennen kann man den neid nämlich sehr gut - an der unverhältnismässigkeit des hasses mit dem der neiderfüllte seine vorträge hält. und auch die gründe liegen auf der hand. denn genauso wie der neid in der heimlichkeit sein zuhause hat sind auch minderwertigkeitsgefühle noch nie sonderlich salonfähig gewesen. auch die behält der komplexgeplagte lieber für sich, hütet sie und legt eine dicke schicht mackertum darüber. nächtelang sucht er nach den fehlern der anderen, schreibt zehnseitige aufsätze darüber, die er ins internet stellt und das internet eignet sich ideal für sowas. da finden sich immer ein paar noch traurigere seelen, die nur darauf warten, auf den hass und protzig lautes splattervokabular, das reicht ihnen schon um den autor für den literaten zu halten, der er gerne wär. im internet findet er seine anhäger, arme würmchen, die auf diesen hass gewartet haben, um sich davon abzulenken, dass sie keiner mag, sie selbst am wenigsten. die keine eigenen ideen haben, keinen humor und vor allem: die einen riesen schiss heben, davor, dass das einer merken könnte.
aber das gemeine am neid ist: jeder kennt ihn. und deswegen ist er eben doch sichtbar. auch ohne beweise.
roland - 15. April, 02:24

Da machst du's dir aber auch n bisschen sehr einfach.

[Da werden wir uns wohl das erste Mal streiten, was.]

Pah - 15. April, 08:28

und es ist auch immer einfach, zu sagen "du machst es dir einfach".

und vielleicht habe ich es auch ein bischen schwammig formuliert. tatsächlich beziehe ich mich da ja nun hauptsächlich auf die äusserungen aus einer ganz bestimmten ecke. ich meine bestimmt nicht die gesamte gegnerschaft der werbungsdebatte und auch nicht die werbungsdebatte im speziellen. inhaltlich kann ich da die standpunkte einiger gegner auch sehr klar nachvollziehen.
bei der gemeinten figur ging es für mein empfinden aber nie um die inhalte die der da propagiert. weder bei der werbungsdebatte noch bei allem anderen was der schreibt.

jedenfalls streite ich mich auch nicht mit dir. :)
fraujulie - 15. April, 13:34

pah, kann nicht mehr als zustimmen. ich glaube man kann es sich an diesem ganz speziellen punkt und bei diesen sich wiederholenden schlachten gar nicht einfach genug machen, wenn man auf die motivsuche geht. „hängt sie höher“ rufe sind auch nur von mäßiger komplexität.
man täte gut daran sich möglichst rasch auf irgendeine art locker zu machen (schwierig und zeitaufwendig) und vor allem damit abzufinden, dass immer irgendjemand größer, schneller, schöner, smarter, intelligenter, erfolgreicher etc. ist. neid ist menschlich, aber man sollte dieses gefühl nicht zwanghaft mit anderen teilen müssen.
fast lustig ist in diesem zusammenhang das inflationäre repititieren des begriffes „transparenz“. wenn einem gar nichts mehr einfällt, dann doch immerhin der gottgleiche drang einer luziden allinformiertheit über absolut alles.

Pah - 15. April, 14:17

obgleich transparenz ja auch nicht das schlechteste wäre, wenn denn die beiträge mancher verfechter nicht selbst so opaque rüber kämen.

diese totalitäre note die da aus dieser ecke mitschwingt empfinde ich übrigens auch als ziemliche unerfreulichkeit gegenüber denen die tatsächlich kritisch denken, die von sichselbst in der einzahl schreiben und vielleicht auch erstmal fragen stellen bevor sie ihr gottgegebenes wissen ("wir historiker..") ins internet kotzen.
einfach schade um die diskussion. wenn ihr eigener vermeindlicher initiator formal alles dran setzt, sie nicht zustande kommen zu lassen. und peinlich, wenn der dann auch noch rumkreischt, wie feige die anderen alle seien, die sich von seiner verbalen kotze nicht angesprochen fühlen. (ein ähnliches verhalten kannte ich bisher nur von meinem sohn. der ist da allerdings mittlerweile auch rausgewachsen.)
fraujulie - 15. April, 15:17

ja, transparenz ist eine feine sache, in diesem fall aber, wie die frage nach der richtigen kommunikationsstrategie, obsolet. vielleicht muss der eine oder andere sogar heimlich darüber lachen.
die mitschwingende note, die in allen anderen bekannten fällen auch mit voller schlagkraft aufgefahren wurde, verhinderte jede form von kommunikation und interessante weiterentwicklungen von neuen ideen. bestenfalls tritt eine lähmung ein. vor fünf jahren, vielleicht war da noch alles schön!?

Pah - 15. April, 16:41

sowieso. früher war alles besser. früher, als die idealisten noch allein am ruder waren, bevor die mitmachwoller, die auffahrendezüge aufspringer kamen, die kulturlosen, die alles an sich reissen, um den grossen reibach zu machen. schlimme zeiten sind das geworden. wir werden alle unter gehen.
dampfbadbiber - 16. April, 07:19

Ja, das Leben ist schön, alles andere sind nur Miesmacher und Neider.

Eine einfache Weltsicht. Vielleicht mal die Glotze ausmachen.

Pah - 16. April, 07:25

und das fernsehen abzuschalten hat dir geholfen? na dann probier ich das vielleicht auch mal. toll, danke.
fraujulie - 16. April, 07:59

der mensch und damit seine weltsicht ist einfach, um nicht zu sagen schlicht. auch wenn wir gerne eine hochkomplexe lebensform wären.

Pah - 16. April, 08:19

sind wir ja auch. hochkomplex das alles: fernsehen verblödet, blogger sind idealisten und kommerz ist böse und macht alles kaputt.

(stolz und glücklich, dass wir das an einem montag morgen, zu so früher stunde schon erkannt haben)
Irene - 17. April, 17:07

Neid und Hass.

Vielleicht schreibt mal wer eine psychoanalytische Arbeit zum Thema Gegenübertragungen in Weblogs, einen Titel hätten wir schon ;-)

Mich stört in Sachen Neid eher das gern mal schnippisch hingeworfene "du bist ja nur neidisch", das irgendwem eine lästige Diskussion ersparen soll.

Meinen gelegentlichen Neid finde ich übrigens sehr okay, weil er kaum Missgunst enthält. Und weil er mir hilft herauszufinden, was ich will, und was ich dafür zu tun bereit wäre. Die Abwägungen rund um den Erfolg anderer Leute enden meist mit einem klaren Danke, kein Bedarf, ich mache lieber meins. Mein Neid ist unsichtbar und flüchtig.

Denkstoff zum Thema: Neid und Konkurrenz unter Frauen (Antje Schrupp)

Pah - 17. April, 19:30

ja solche "schnippisch hingeworfenen" universalargumente die keine sind ärgern mich auch immer aber was soll man machen wenns doch stimmt.. :)

vielleicht sollte man aber auch darüber hinwegsehen, was geht mich das schliesslich an, welche motive die leute da aus der "historiker" ecke dazu treiben, derart aus der fassung zu geraten, aber ich finde es eben wie gesagt auch unfair, den u.a. als "abschaum" bezeichneten leuten vorzuwerfen, sie würden einer diskussion aus inhaltlichen gründen oder gar "feigheit" ausweichen, dabei haben sie vielleicht ja einfach nur schwierigkeiten mit der wortwahl. wär doch denkbar?

so ergeht es mir zumindest. mich entsetzt der sprachstil mancher argumentatoren derart, dass ich mich ausserstande sehe, mich objektiv deren inhalten zuzuwenden. ich frage mich dann stattdessen: woher kommt das? und komme leider auch nicht, wie frau julie weiter oben, auf viel komplexere erklärungen als die im beitrag ausgeführte.

nichts gegen eine sachliche diskussion, aber wenn man verfolgt, wie emotional aufgeladen gehetzt und persönlich diffamiert wird, da kann ich nicht umhin, das fragwürdig zu finden. und möchte das auch sagen dürfen. auch, wenns aussieht wie das o.e. universalargument das immer herangezogen wird, wenn einem nichts mehr einfällt.
und apropos übertragungen: der vorwurf, man sei zu feige für auseinandersetzungen würde ich der alfonsoschaft eben auch unterstellen: leute wie diese fleisch gewordene panzerfaust wollen keine diskussion. die wollen nur lieb gehabt werden und haben noch nicht begriffen, dass das eigentlich anders geht.

das mit dem neid halte ich persönlich übrigens wie sie auch eher entspannt. wenn er kommt kann man ihn im zweifelsfall auch ganz gut im zaume halten, indem man mal offen sagt: ich wär auch gern so cool wie du! aber das geht natürlich immer schon gleich etwas leichter, wenn man sich gegenseitig schätzt..
Irene - 17. April, 22:14

Männer ohne Nerven

Ich habe mir ja fast gedacht, dass es im Eintrag irgendwie um Fonsi geht, aber die Kurve zum Neid krieg ich dabei nicht so ganz. Träumt Donalphons heimlich von Werbebannern? Und wer ist die Alfonsoschaft?

Mir gefällt der kulturhistorische Blick auf Weblogs. Der aggressive Ton ist auch nicht meins. Aber wenn man kein rivalisierender Typ ist und auch sonst ohne größere Macke auskommen muss, tragen einen Gruppen nicht so leicht nach oben... Nur wegen Roland, um mal den Erstkommentierenden als Beispiel zu verwenden, würde kein Mensch von einer Rolandschaft sprechen ;-)

Celibrities: Erst ist man verrückt, dann wird man ein Star
Pah - 18. April, 19:29

naja das liegt jawohl auf der hand dass er das nicht tut, von werbebannern träumen.
worauf leute im einzelnen neidisch ist ja auch in den seltensten fällen für aussenstehende nachvollziehbar.
mancheiner der sich danach sehnt grössere eier zu haben beneidet andere um ihre rieseneier, die wiederum träumen davon, weniger gewicht mit sich rumzuschleppen. oder so. (ich wähle jetzt mal nicht das tittenbeispiel weil ich finde, sorum passt es doch besser zu unserem fallbeispiel..)

worauf der keulenschwinger aus der blogbar neidisch ist kann man wie ich finde doch ganz leicht an den beleidigungen und unterstellungen erkennen denn das meiste trifft ja mehr auf sie selbst zu als auf irgendeinen von denen die die sich da im einzelnen rausgreifen. so wird beispielsweise ausgerechnet sascha lobo feigheit nachgesagt dabei schafft der grundsätzlich all das, was dem oberpöbler nicht gelingt. (hier kann man das auf eine sehr unterhaltsame weise verfolgen.) zwei dinge gibt es da, die einfach jedem auffallen: eine gewöhnungsbedürftige frisur und diese wirklich eklatante hemmungslosigkeit. diesen tüp als feige zu bezeichnen ist in etwa so als ob man behaupten würde felix schwenzel sei magersüchtig.

wenn man da mal unsere "kunstfigur" beobachtet, wie die sich so schlägt, beispielsweise bei trackback, da trifft es vielleicht die bezeichnung "klein mit hut" ganz gut. wie ein wunder wird aus dem brüllaffen ein diplomatischer seierheini und zur re:publica kommt er erst garnicht, die sagt er lieber ab, obwohl er extra eingeladen wurde zu diskutieren, aber er bevorzugt es das ganze von zuhause aus klarzumachen, dichtet endlose rechtfertigungstexte zusammen und beschimpft die als feige, die es bevorzugten, zur re:publica zu gehen statt sich ihm in den kommentaren seines weblogs "zu stellen". die grossen gesten die man auf offener strasse nicht hinkricht die klappen im internet eben besser. die themenbereiche changieren zwischen: andere denunzieren, andere verurteilen und langatmige schwulstige ergüsse über: "meine herkunft, mein erbe, mein familienbesteckwappen, mein auto und ich" um zweifelsfrei klarzustellen, was für ne beneideswert coole partie man doch ist. und alles garantiert ironiefrei.


aber ich schweife ab. und natürlich muss auch nicht jeder witzig sein. oder tolle kunstvoll verschnörkelte prosa abliefern. aber manche sachen benötigen zum beispiel auch manchmal einen schuss humor, um besser runter zu gehen. so wie die suppe ohne salz nicht schmeckt. da braucht man kein gourmet zu sein um das zu wissen. manche leute können schreiben, weil sie wissen, wieviel salz man wann benutzen muss und manche wissens eben nicht. was auch nicht weiter schlimm wäre, es sei denn man ist koch. dann hat man n problem. ein koch der nicht kochen kann hat es nicht leicht. und so ein einsamer blogger, der sich tag für tag den arsch aufreisst, für nichts als ein BISCHEN anerkennung, der reisst sich auch nicht gerade drum, mit ansehen zu müssen wie es das verhasste korrupte werberschwein alles viel besser kann. wo wir wieder bei der neiddebatte wären: sascha lobo kanns besser. das mit der selbstironie und ein paar fiesere worte als "abschaum" kennt der auch. der hat einfach all das, was man von unserer kunstfigur nicht behaupten kann.

und zu roland und seinen freunden "rolandschaft" zu sagen das würde einfach nicht passen. ich kenne ein paar freunde von roland und hatte nie den eindruck, da gäbe es sowas wien "autoritäres gefälle". ich bin mir zum beispiel ziemlich sicher, dass nur weil ich die dinge etwas anders sehe als roland, dass er mir TROTZDEM irgendwann vergeben kann und mich weiter so gerne leiden mag wie ich ihn.

alfonsoschaft fand ich übrigens, ist doch ein hübsches teekesselchen: ihre lordschaft beliebt es ja auch immer mal sich dem volke in der wir-form zuzuwenden. manchmal so wenn mir aus empörung die worte fehlen denke ich mir einfach welche aus.

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